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Begriff und Wirklichkeit der Rasse

Wer heutzutage das Wort „Rasse” in Verbindung zu „Mensch” bringt, setzt sich der Gefahr aus, als ein Monstrum zu gelten. Das bekannteste Beispiel der letzten Zeit dürfte wohl Thilo Sarrazin gewesen sein, dessen humangenetische Ausflüge ihm von einer gewissen Öffentlichkeit übel angerechnet wurden. Ein Beitrag von Carlos Wefers Verástegui.

„Rasse“ ist zunächst einmal ein Begriff der, wie alle Begriffe, eine Schöpfung des menschlichen Geistes ist. Begriffe lassen sich in der Realität aber nicht nachweisen. Auch sind Begriffe an sich weder richtig noch falsch, weder gut noch böse. Positiv ist ein Begriff wesentlich Erkenntnismittel, nicht aber Gegenstand der Erkenntnis selbst. Das wohl wichtigste Kriterium für einen Begriff ist seine Angemessenheit: ein Begriff ist entweder angemessen oder nicht.

Obwohl sämtliche Begriffe Geistgebilde sind, ist ihre Angemessenheit höchst unterschiedlich, je nachdem, welche Erkenntnisbereiche durch sie verständlich gemacht oder erklärt werden sollen. Ein Begriff z.B., der sich auf die Tatsachen der Natur bezieht, ist von ganz anderer Struktur und leistet etwas ganz anderes, als ein Begriff, der die menschliche Realität zum Gegenstand hat. Gerade an diesem Punkt offenbart sich die eigentliche Problematik des Rassebegriffs. Die Frage, um die es dabei geht, lautet: Ist die Menschheit wie ein weiteres Naturphänomenen zu begreifen und daher mit naturwissenschaftlichen Begriffen zu erklären, oder ist sie ganz der Kultur unterzuordnen und auch dementsprechend zu verstehen?

Begriffe schaffen Ordnung

Eklektiker, die von theoretischer Forschung keine Ahnung haben, würden sofort der Naturwissenschaft den Vorzug geben, höchstens aber laienhaft geisteswissenschaftliche Begriffe mit naturwissenschaftlicher Methodik verquicken. Gerade hier aber muss daran erinnert werden, dass „Rasse“ zunächst einmal immer ein Begriff ist und sich darum in der Wirklichkeit, ohne den betrachtenden, denkenden und wertenden Menschen, nicht vorfindet. Immer ist es der Mensch, der sich einen Begriff von „Rasse“ macht.

Das aber vergessen leicht naturwissenschaftlich eingerichtete Köpfe. Wesentlich für den Begriff der Rasse ist, ob er erkenntnismäßig überhaupt etwas leistet, d.h. ob wir durch ihn der Realität gerecht werden und auch selbst in ihr zurechtkommen. Ein richtig gebildeter Begriff erlaubt dem menschlichen Geist, sowohl Ordnung zu schaffen als auch sich selbst in Ordnung zu bringen, indem er ihn zum Ausgangspunkt eines der Realität angemessenen Einteilungsschemas macht.

Naturwissenschaftliche Rechtfertigung des Rassismus

Nun haben „Rasse“ und verwandte Vorstellungen geistesgeschichtlich eine enorme Rolle gespielt. Dabei waren es gerade die naturwissenschaftlichen Übertreibungen der letzten hundertfünfzig Jahre, die den Rassismus erst so richtig aufkommen ließen. Am Ende dieser Entwicklung stand die „Rassenpolitik“ sich auf „Naturgesetze“ berufender Ideologien, deren bekanntestes Beispiel der Nationalsozialismus ist.

Die Vernichtung von Millionen von Menschen zugunsten einer angeblich „höheren Rasse“, aber auch die rassistisch argumentierte Diskriminierung von Menschen bis in die Gegenwart hinein, machen den Umgang mit dem Wort „Rasse“ heikel. Man kann sagen, dass „Rasse“ im heutigen Sprachgebrauch genauso verpönt ist, wie es in längst verklungenen Sprachgebräuchen beliebt war. Das spricht aber nicht gegen den Begriff der Rasse, sondern nur gegen den Unfug, der mit einem sinnentleerten Wort getrieben wird.

Verwirrspiel mit dem Rassismus

Keinem Rassismus, aber auch keiner geschichtlichen Willkür ist die Tatsache zuzuschreiben, dass seit der Antike von der Existenz von Rassen ausgegangenen wurde. Überhaupt ist es eine universelle Notwendigkeit, Unterscheidungen, auch unter den Menschen selbst, anzustellen. Leute, die das nicht wahrhaben wollen sowie eine heillose Verwirrung auf allen Gebieten gegenüber der Klarheit bevorzugen, preisen sich gern selbst als „tolerant“ und „weltoffen“. Bereits die bloße Feststellung der Existenz von Rassen ist für sie bereits „Rassismus“.

Wer auf Unterschiede, nicht zwischen Individuen, sondern zwischen Menschenpopulationen hinweist, ist ein Rassist. Im Gegensatz dazu geraten sie in Verzückung, wenn sie sich und andern die „Vielfalt“ der Menschheit vor Augen führen. Aufgrund ihrer eigenen Wirrnis sind sie nicht in der Lage, diesen frappanten Widerspruch zu erkennen. Dinge wie Klarheit, Konsequenz und Aufrichtigkeit darf man eben nicht von ihnen verlangen, denn das würde ihnen ihre moralische Überlegenheit den „Rassisten“ gegenüber nehmen.

Von „Rasse“ zu reden ist nicht unwissenschaftlich

Auch die nüchterne Naturwissenschaft glaubt dem Rassebegriff erfolgreich beigekommen zu sein: die Abstammung ist für alle Menschen die gleiche, wir stammen alle von einer Urmutter ab. Die genetischen Unterschiede, die für die phänotypische Variabilität der Menschen verantwortlich sind, sind äußerst gering. Daraus folgert sie dann: es gibt keine genetisch nachweisbaren Rassen, wir sind alle schlicht und einfach – Menschen. Das ist zwar richtig, aber dem gegenüber bleibt festzuhalten, dass „Rasse“ zuerst einmal ein Begriff ist. Dieser war nicht daraufhin konstruiert, dass er eines fernen Tages von der Humangenetik verifiziert oder falsifiziert werden könnte. Er ist vorwissenschaftlich, vor allem aber eines ist er: nicht naturwissenschaftlich. Das heißt aber noch lange nicht „unwissenschaftlich“.

„Rasse“ hat eine vornehmlich soziale Bedeutung

Die naturwissenschaftliche Misshandlung des Menschen hat dabei ihre Anhänger sowohl im Lager der Gegner als auch der Befürworter von „Rassetheorien“. Abgesehen von mehr oder weniger evidenten Unterschieden unter Menschenpopulationen gibt es aber für eine naturwissenschaftliche Beweisführung kein geeignetes Material weder für noch gegen. Gegen solche Unternehmungen schrieb der Soziologe Gabriel de Tarde bereits 1890: „Die außerordentliche Bedeutung, die man der Rassenidee aus einer naturalistischen Perspektive, welche sich übrigens aus dem beträchtlichen Fortschritt der Naturwissenschaften erklärt, in der Geschichte beimessen wollte, ist ein Anachronismus.“

Und sogar der extreme Naturalist Ludwig Gumplowicz (1838-1909) betonte, dass das Wesen der Rassen eher im Sozialen als im Biologischen liege. Er selbst bezeichnete mit dem Wort „Rasse“ Geschlechterverbände und Stämme („Horden“). Die Lebensvorgänge von Menschenpopulationen sind vornehmlich soziale Prozesse, aus denen die nachher für typisch geltenden bzw. gehaltenen psychophysischen Rassenmerkmale bzw. Rasseeigenschaften erst hervorgehen. Zu diesen Lebensvorgängen gehört nach Gumplowicz kriegerische Unterwerfung. Diese bildet den Ausgangspunkt für die Mischung ethnisch heterogener Bestandteile, in deren Gefolge es zur internen Differenzierung dieser nun neu entstandenen „Gesellschaft“ kommt. Diese teils gewollte, teils zufällige „soziale Züchtung“ bringt eine Aristokratie, ein Kastenwesen oder eine sich auf ethnische Grundlagen stützende Ständeordnung hervor.

Dialektik von Anarchismus und Rassismus

Die sozialwissenschaftliche Rassebedeutung hat aber noch tiefer gehende Wurzeln: sozialgeschichtlich gibt es eindeutige Bezüge zwischen anarchistischer Verneinung von Aristokratie und allem, was „höher“ ist, einerseits, und der Überziehung des Rassegedankens bis hin zum Rassismus andererseits. Bekannter ist dieses Phänomen in Form der egalitären Verwerfung aller sozialen Hierarchien sowie der kosmopolitischen Überwindung der geschichtlich gewordenen Volkstümer, die als ihren dialektischen Zwilling sozialdarwinistischen Klassismus, Nationalismus und Rassismus mit sich bringen.

Die Menschen sind sich ähnlich genug, um über die gegenwärtigen Individuen hinausgehende und auch erblich relativ stabile Unterschiede festzustellen, wiewohl auch Mischung dabei das Normale ist. Dieses Faktum erkennt der angeblich nur „Menschen“ kennende radikale Egalitarismus im Grunde ebenfalls an. Wie sollte man sich sonst erklären, dass sein Lieblingsbild das des geschichts- und gemeinschaftslosen Mischmaschmenschen ist? Instinktiv weiß der Egalitarismus nämlich, dass wildes Vermischen, wo es kein, zumindest vorläufiges, Ende nimmt, Verderben bedeutet.

Bild: Webmaster Glockseeschule, flickr, CC BY-NC 2.0

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9 Kommentare

  1. Warum wird hier der Begriff Rasse als nicht naturwissenschaftlich bezeichnet ?
    Mit heutiger Gentechnologie kann durch Bestimmung der Haplogruppen die Abstammung eines jedem Menschen sehr präzise auf meist nur wenige Völker oder Gebiete zurrückvervolgt werden. Zwar sind die Grenzen zwischen den verschiedenen Rassen meist nicht scharf, sondern stellen aufgrund der historischen Vermischung der Rassen and deren geographischen Grenzen ein Kontinuum dar, aber ein Mensch dessen Vorfahren seit Jahhunderten in Europa gelebt haben und sich mit der dortigen Bevölkerung vermischt haben ist gentechnisch eindeutig von einem Menschen, dessen Vorfahen aus einem anderen Kulturkreis stammen, unterscheidbar. Zu behaupten, das Konzept Rasse hätte keine naturwissenschaftliche Grundlage, ist eine unhaltbare Lüge von Menschen, die die Wahrheit nicht wahr haben wollen.

    • Die Naturwissenschaften haben ihren Platz und die Geisteswissenschaften haben ihren Platz. Was jedoch gefährlich ist – und deshalb ist dieser Artikel so wichtig -, ist die seit einigen Jahrhunderten feststellbare Tendenz (sagen wir einfachheitshalber: seit der Moderne), naturwissenschaftliche Methoden dazu zu verwenden, um soziale Ordnungen (Staat, Gesellschaft, Wirtschaft) zu begründen. Lesen Sie mal Eric Voegelin (Die Neue Wissenschaft der Politik), dann begreifen Sie, warum das so problematisch ist.

      Natürlich kann man die „Rasse“ eines Menschen naturwissenschaftlich erforschen. Die Frage ist aber, welche Rückschlüsse daraus für die Begründung sozialer Ordnungen gezogen werden dürfen. Und genau hier setzt der Artikel an.

      • Es ist jedoch Unfug, die Methoden der Nationalsozialisten mit moderner Naturwissenschaft gleichzusetzen.

        Heutige ideologisch verbohrte Naturwissenschaftler ersetzen gerne den Begriff der „Rasse“ durch den der „Population“, und, wie Volkmar Weiss in seinem opus magnum „Die Intelligenz und Ihre Feinde“ anmerkt, haben Sie damit die Unterschiede zwischen den Menschen natürlich nicht aus der Welt geschafft.

        Im übrigen ist es schon fruchtbar, wenn man sich der Intelligenz-, Begabungs- und Charakterunterschiede bewusst ist. So schreibt z. B. Richard Lynn in „Race Differences in Intelligence“, daß der mittlere IQ der Studenten aus Nordafrika und Südasien — die MENA-Länder — bei schlappen 92 liegt, und merkt lapidar an, daß das eben bedeutet, daß der Durchschnitts-Europäer klüger ist als der Durchschnitts-Student aus dieser Rasse (Lynn stützt sich bei seiner Einteilung auf Rassen auf die Arbeiten Cavallis-Sforzas, der zwar selbst für seine Bagatellisierung der Rassenunterschiede bekannt ist, jedoch wichtige Daten sammelte; seine Berechnungen der „genetischen Entfernung“ bilden im Grunde die Referenz.)

        Eine Einwanderungspolitik basierend auf Rasse ist eigentlich etwas vernünftiges, jedoch verpönt, da man so eben Menschen ausschließen muß. Andererseits geht aber dann wegen der Rassenunterschiede zwischen den Menschen die Kultur der autochthonen Bevölkerung zu Grunde — ob man nun kluge Nordostasiaten und Aschkenasim-Juden oder eben, wie jetzt, die von den IQ-Werten nicht gerade hervorstechende Dritte Welt einlädt, ist dabei egal: verändern wird sich das Land dann sowieso, da Kultur Ausdruck der Gene eines Volkes ist. Sonst wäre Holland ja Deutschland und vice versa.

        • „Kultur ist (oder meinen Sie sogar ‚ist gleich‘) Ausdruck der Gene“? Sie erwarten hoffentlich nicht, daß ich da als Geisteswissenschaftler zustimmen kann, denn dann könnten wir ja all unsere Überlegungen sowie die Philosophie seit der Antike in die Mülltonne werfen. Ich verstehe nicht, warum es so schwierig ist, sich dazu durchzuringen, daß es eben Biologie UND Kultur (genauer: das Leben des Geistes) gibt. Selbstverständlich mit Bezügen zueinander, aber doch auch mit einer sehr unterschiedlichen inneren Logik, die man nicht verachten darf. Worauf ich nur hinaus will, ist, daß wir die Biologie weder verleugnen noch überhöhen dürfen.

      • „Die Erde ist eine Scheibe und um diese drehen sich alle Gestirne“ – diese Aussage ist genauso wahr wie etwa die Aussage: Rasse ist naturwissenschaftlich/biologisch nicht verifizierbar. Das ist wirklich Unsinn. Es gibt z.B. massive angeborene IQ-Unterscheide zwischen etwa Europiden und Negriden – im Mittel 25 (!) Prozentpunkte. Über angeborene Verhaltens-, Charakter und andere Unterschiede kann ich hier aus Zeitgründen nicht berichten. Macht aber auch kaum Sinn, denn alles wurde schon gesagt:
        1. Philippe Rushton „Rasse, Evolution und Verhalten“
        2. Richard Herrnstein/Charles Murray: „The Bell Curve“
        2. Volkmar Weiss: „Die Intelligenz und ihre Feinde“
        3.Jacques de Mahieu: „Volk, Nation, Rasse“
        4. Andreas Vonderach: „Völkerpsychologie“
        5. Vincent Sarich/Frank Miele: „RACE“ (the reality of human differences)

        • Noch einmal: Ich habe in einem früheren Kommentar geschrieben, daß sich Rasse naturwissenschaftlich nachweisen läßt. Die viel wichtigere Frage ist aber, welche Schlüsse daraus für die politische Ordnung gezogen werden können bzw. dürfen.

    • Vollkommen d’accord! Tipp von mir, falls Du es noch nicht kennst: http://www.igenea.com. Dort kann man überprüfen lassen, ob man jüdisches Erbgut in sich trägt oder mit den aus dem Kaukasus abstammenden Pharaonen verwandt ist.

  2. ich bin Schlesier. Meine Mutter war Polin. Meine Frau ist auch Deutsche und arbeitet obwohl sie älter ist als ich noch immer für mich. Ich bin ziemlich faul und verfressen und stolz darauf einer Rasse anzugehören die für sich arbeiten lassen kann.

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