Artikelformat

Flüchtlingen in ihrer Krisenregion helfen! So geht’s!

3 Kommentare

Nur zwei Prozent der syrischen Flüchtlinge gelangen per Boot nach Europa und erhalten in aller Regel in Deutschland oder einem anderen Staat Asyl. Es handelt sich dabei um diejenigen Flüchtlinge, die sich die teure Überfahrt leisten können und bereit sind, ihr Leben zu riskieren. Die anderen 98 Prozent der mittlerweile zehn Millionen heimatlos gewordenen Menschen leben noch in Syrien als Binnenvertriebene oder den angrenzenden Staaten Jordanien, Libanon und der Türkei.

Der Entwicklungsökonom Paul Collier hat nun kürzlich das jordanische Flüchtlingslager Zaatari unweit der syrischen Grenze besichtigt und sich so seine Gedanken gemacht, wie man diesen Menschen helfen könnte. Zunächst zeigte er sich erfreut über die gute Arbeit des Flüchtlingshilfswerks UNHCR für die rund 80.000 Bewohner des Lagers. Einziges Problem: Die Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten, weil Jordanien verständlicherweise befürchtet, daß sich dies negativ auf die Jobaussichten der Einheimischen auswirken dürfte.

Wenn der Vater seine Autorität verliert …

Arbeitslosigkeit ist für die syrischen Flüchtlinge ein großes Problem. Das Familienoberhaupt verliere so seine Autorität, die Tochter könne deshalb in die Prostitution abrutschen und viele Söhne kommen auf die Idee, Geld zu verdienen, indem sie sich irgendeiner Miliz in Syrien anschließen.

Wie könnte dieses Problem nun gelöst werden? Collier schlägt vor, daß Europa zusammen mit den an Syrien angrenzenden Staaten, die von den Flüchtlingsströmen am meisten betroffen sind, „sichere Häfen“ einrichtet, in denen die Heimatlosen arbeiten können, ohne den Einheimischen die Arbeitsplätze wegzunehmen. Es gehe dabei vor allem auch darum, für Syrien und seine Bürger eine Perspektive für die Zeit nach dem Krieg zu schaffen.

Sichere Häfen für Flüchtlinge und das Konzept der „Charter Cities“

Die Bürger sollen sozusagen ihre Wirtschaftstätigkeit in einer Art Exil einfach fortführen, weiterhin untereinander vernetzt bleiben und irgendwann zusammen mit ihren Unternehmen nach Syrien zurückkehren. Die Idee erinnert ein wenig an den Vorschlag des Ökonomen Paul Romer, zur Armutsbekämpfung „Charter Cities“ einzurichten. „Nach dem Vorbild von Hongkong soll eine Industrienation in einem Entwicklungsland ein unbesiedeltes Stück Land übernehmen und dort eine komplett neue Stadt nach kapitalistischen Maßstäben aufbauen“, faßte die WELT diesen Vorschlag kürzlich zusammen. Die Voraussetzung für das Gelingen dieser „Charter Cities“ sei lediglich, daß ein Industriestaat „als Pate für die Rechtssicherheit in der Stadt“ sorgt.paul_collier

Collier denkt nun an Ähnliches für Syrien und hat sich dafür sogar schon ein Industriegelände angesehen, das nur zehn Minuten von Zaatari entfernt liegt. „Dies könnte ein Hafen für syrische Betriebe werden, die in ihrer Heimat nicht länger bestehen können, und als Ansiedlungspunkt für globale Unternehmen dienen, die für den europäischen Markt produzieren und dabei sowohl Syrer als auch Jordanier einstellen“, betont Collier in einem aktuellen Beitrag auf Social Europe.

Er ist sich dabei sehr wohl bewußt, daß der Aufbau und die Unterstützung dieser sicheren Häfen für Europa keinesfalls billig wären. Doch zweifellos ist es sinnvoller, Flüchtlingen direkt vor Ort zu helfen und ihnen eine Perspektive für eine Rückkehr in ihre Heimat zu schaffen, anstatt Milliarden Euro für ihre Unterbringung in Europa auszugeben und von ihnen zu verlangen, daß sie ihr Leben für die Anreise aufs Spiel setzen.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Dann unterstützen Sie Einwanderungskritik mit einer kleinen Spende. Fünf Euro reichen bereits aus, damit hier ein Jahr auf hohem Niveau gearbeitet werden kann: 

cover_blogWeltweit gibt es derzeit so viele Migranten wie nie zuvor. Woher kommen sie? Wohin wollen sie? Und welche Ursachen hat die Masseneinwanderung? Felix Menzel erklärt, welchen Einfluß die Vernetzung, die Überbevölkerung und die Utopie globaler Gerechtigkeit auf die internationalen Migrationsströme haben. Menzel bleibt jedoch nicht bei der Analyse stehen: Er macht konkrete Vorschläge, wie Deutschland und Europa Einwanderung sinnvoll begrenzen könnten. Ihm geht es dabei nicht um das Herumdoktern an Symptomen. Er plädiert dafür, daß wir durch eine Neuausrichtung unserer Außenpolitik die Ursachen der Masseneinwanderung an der Wurzel packen sollten, denn jede Krise und jeder Bürgerkrieg in der Welt führen unmittelbar zu einem Flüchtlingsansturm auf Europa. Hier bestellen: Felix Menzel: Die Ausländer. Warum es immer mehr werden. 100 Seiten. 8,50 Euro. Chemnitz 2015.

(Bilder: 1. Die Hauptstraße von Zaatari, 2013, Foreign and Commonwealth Office, flickr, CC // 2. Paul Collier)

Verwandte Themen

Allahu Akbar nun auch in Dresden Gestern Abend demonstrierten 350 Migranten unter Allahu Akbar-Rufen auf der Prager Straße in Dresden. Diese hatten sich spontan versammelt, nachdem ein Facebook-Aufruf verbreitet worden war. Der Grund...
Helft den Kindern vor Ort, bevor ganze Familien flüchten! Bereits im letzten September, als der Höhepunkt der Asylkrise erreicht war, berichtete ich über die 13 Millionen Kinder im Nahen Osten und Nordafrika, die keine Schule besuchen können. Aus meiner Sich...
„Deutsche Syrer“ für Flüchtlingsobergrenze Die Hälfte der "deutschen Syrer" - also solche, die schon etwas länger hier sind - wollen eine Obergrenze für Flüchtlinge und fürchten das Ankommen von Terroristen. Sind die jetzt auch "rechtsextrem"?...

Veröffentlicht von

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

3 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Guter Ansatz, aber absolut untauglich, weil damit die Ursachen nicht bekämpft werden. Wir sind nämlich die Verursacher, wir der Westen, der mit seinen Kriegen den Nahen Osten zerbombt und den Menschen die Lebensgrundlage nimmt. Wir bauen die Taliban auf, Al-Kaida, Al Nusra und zuletzt IS als Mittel zum Zweck, mißliebige Regierungen, die den Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichte, zu zerstören. USA, Israel, Türkei, Saudi-Arabien, alles beste Freunde der CDU und SPD, finanziert u.a. mit afghanischem Rauschgift und gesponsert mit u.a. dt. Waffen (U-Boote z.T. geschenkt) und Gauckschem Händedruck. Und immer noch wählen 20 Mill. Deutsche (2013) die CDU – wenn das mal kein Egoismus und eine bewußte Unterstützung der Kriegstreiber ist. Das ist die wahre Ursache. Aber den Befreier vom Faschismus mit Sanktionen belegen, weil er eine demokratische Wahl vor neuen Faschisten schützt. So lange im Westen solche Werte gelten, wird sich auch an den Flüchtlingsströmen nichts ändern. Wir bekommen, was wir sähen.

    Antworten

    • Das, was Sie hier als Einwand vorbringen, sehe ich genauso und bin darauf auch in meinem Buch eingegangen. Dass der Westen seine Interventionspolitik ändern muss, heisst doch aber nicht, dass die Vorschläge von Collier und Romer unbrauchbar wären. Das eine schließt das andere nicht aus.

      Antworten

  2. Jaja Ralph, brav das Märchen erzählen wir sind schuld. Am Verkauf der Waffen, an unserer Politik, an den Weltkriegen und das der Frosch keine Haare hat.

    Unsinn. Kein europäischer Bürger hat Einfluss auf die Hochpolitik oder Waffenlobby, Die Konzerne machen was sie wollen und fahren übers Volk, Wahlmöglichkeiten gibt es nicht. Schon einmal was von Parteifinanzierung gehört? Alle Parteien die in „Gefahr“ geraten könnten politische Entscheidungen zu treffen werden finanziert und treffen Entscheidungen die niemals einem Wähler dienen werden. Den Menschen Schuld einzureden ist ein ganz billiger Politikertrick. Es geht ja allen gut ebenso. Es gibt eine riesen Arbeitslosigkeit in Europa und besonders in Deutschland immer mehr Jobs mit denen man Überleben aber nicht Leben kann. Z.B. Leiharbeit. Es ist von den Eliten so gewollt. Die Sklaven werden zu viele und zu teuer. Vor hunderten Jahren haben ihnen die wichtigsten Rohstoffe gehört, jetzt gehören ihnen 99% der Welt, es ist nicht relevant ob es 100% werden. Alles, was jetzt und auch bisher passiert ist, war genau so gewollt. Diesen Zug kann man vielleicht ein wenig umlenken, aber nicht aufhalten . Die Hochfinanz führt einen gnadenlosen Krieg gegen das Volk. Um davon Abzulenken werden die kleinen Bürger aufeinandergehetzt. Weil sie ja soooo schuldig sind. 99,9% sind Sklaven des Systems und haben nix von den Waffenlieferungen und kriegen, sogar Leute die für Waffenfirmen arbeiten z.B. Personalleasing Wachschutz verdienen ihren Familien gerda genug zum Essen. Ich könnte kotzen wenn ich höre wir sind alle schuld und immer mehr nicht nachdenkende Menschen das rausblöken.

    Antworten

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.