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Irakischer IS-Sympathisant zurück in der „deutschen Heimat“

Ein Beitrag von Robin Classen: Seit den Anschlägen in Brüssel versuchen europäische Sicherheitskräfte verzweifelt, Licht ins Dunkel der europäischen Terror-Netzwerke in Migranten-Communities zu bringen. Insbesondere im ohnehin nahezu als „Failed State“ zu bezeichnenden Kunststaat Belgien sind die gesellschaftlichen Zersetzungsbewegungen mittlerweile unübersehbar. Seit Jahrzehnten streiten sich Wallonen und Flamen und nun sind eben die muslimischen Migranten als lachende Dritte hinzugekommen.

Doch auch in anderen Ländern Europas ist der IS längst heimisch geworden. Mehr als 900 Einwohner Frankreichs und mehr als 700 aus Deutschland und Großbritannien sind nach Syrien gereist, um dort für die Terrormiliz Islamischer Staat zu kämpfen. Insgesamt gibt es laut dem „International Center for Counter-Terrorism“ in Den Haag bereits 4.000 bestätigte Fälle von europäischen Kämpfern – die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Die spanische Polizei geht laut Handelsblatt sogar von dreißig- bis hunderttausend europäischen Kämpfern aus. Von den deutschen Kämpfern ist jeder fünfte Konvertit und jeder fünfte weiblich.

Sicherheitsbehörden fordern händeringend die Abschiebung von Gefährdern

Besonders problematisch wird es dann, wenn die an Kriegswaffen trainierten und fanatisierten Kämpfer in ihre „Heimatländer“ zurückkehren. In Großbritannien ist es bereits jeder zweite Kämpfer, der auf die Insel heimkehrt, in Deutschland immerhin jeder dritte. Alle zu beobachten erscheint als eine kaum leistbare Mammutaufgabe für die Sicherheitsbehörden. Seit langem fordern sie deshalb die konsequente Abschiebung von Islamisten und die Unterbindung der Wiedereinreise. Auch die deutsche Staatsbürgerschaft müsste im Zweifel entzogen werden. Doch passiert ist mal wieder nichts.

Nun sorgt ein Fall aus Bayern für Kopfschütteln: Es geht um einen 14 Jahre alten Jugendlichen, der den typischen Weg der Radikalisierung in Deutschland durchmachte. Zunächst geriet er in die Fänge der „LIES“-Koranverteiler, woraufhin seine Mutter bereits Hilfe anforderte. Daraufhin ging es für ihn in ein Jugendheim, in dem er sich allerdings den Pass eines Freundes auslieh und damit bis ins türkisch-syrische Grenzgebiet reisen konnte. Auf der Suche nach einem Schlepper geriet er in Facebook an ein Fake-Profil investigativer Journalisten, die daraufhin das Auswärtige Amt informierten. Der 14-jährige Iraker musste für sechs Monate ins türkische Gefängnis und lebte danach nach eigener Aussage nach einer erneuten Kontaktaufnahme der investigativen Journalisten „gut“.  Er war in einem türkischen Waisenhaus untergekommen. Ob eine Deradikalisierung stattfand, ist nicht bekannt.

Die irakische Mutter will eine Familienzusammenführung – natürlich in Deutschland

An sich könnte der Fall für Deutschland damit abgeschlossen sein. Doch die irakische Mutter, die immer noch in München lebt, will gerne eine Familienzusammenführung: Und zwar nicht im Irak, nicht in der Türkei, sondern natürlich im Schlaraffenland Deutschland. Ihr Anwalt hatte immer wieder das Auswärtige Amt angeschrieben und darum gebeten, auf eine Rückführung des Jugendlichen nach Deutschland hinzuwirken: ohne Ergebnis. Völlig korrekterweise berief sich das Auswärtige Amt nämlich darauf, dass es an sich nicht zuständig sei, da der Junge irakischer Staatsangehöriger ist und ohnehin kein Grund zum Einschreiten bestehe, da der Junge mittlerweile ja in Sicherheit sei.

München kämpfte seit Monaten um die Rückkehr eines Dschihadisten

Dieses Ergebnis wollte der Bayerische Rundfunk – wohl vom Anwalt der Mutter angestachelt – nicht auf sich beruhen lassen: Der Junge sei schließlich „in München aufgewachsen“ und besitze eine „gültige Aufenthaltsgenehmigung“. Also hakte der BR beim Auswärtigen Amt an und sofort setzte dieses alle Hebel in Bewegung, um den Dschihadisten schnellstmöglich wieder nach Deutschland zu holen. Das absurde Vorgehen ist nun von einem „Erfolg“ gekrönt: Seit Donnerstag hat Deutschland einen islamistischen Gefährder mehr im Land. Stolz hält der BR fest, dass auch die Münchner Polizei und das Sozialreferat der Stadt München sich „seit Monaten“ um die Rückkehr des IS-Sympathisanten bemüht hätten.

Bild: Amir Farshad Ebrahimi, flickr, CC BY-SA 2.0

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Autor: Felix Menzel

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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