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Masseneinwanderung „Ja“, aber irgendwie besser?

Es gibt Ökonomen, die kritisieren die jetzige Masseneinwanderung, begrüßen aber ansonsten einen Fachkräftezuzug, dessen Größe sie meinen, ausrechnen zu können. Was von dieser Position zu halten ist, bewertet Johannes Konstantin Poensgen.

Während die Entgleisungen des Honorarprofessors Gerd Mielke, der eine Kriminalisierung von AfD und PEGIDA forderte, eine Empörungswelle losgetreten haben, ist die Reaktion auf eine andere Art Akademiker zwiespältiger. Die Rede ist von jenen Wissenschaftlern, meist Ökonomen, die die Bruchstellen des Establishments von ihrem Fachstandpunkt aus analysieren und für alles andere blind sind.

Einwanderung besser managen

Es gibt Leute, die vor allem die Vernunft aus ihnen herauslesen. Wenn also ein Ökonom in einer etablierten Zeitung schreibt, dass wir uns noch mehr „Flüchtlinge“ gar nicht leisten können, fühlen sie sich bestätigt: Ein angesehener Wissenschaftler schreibt in einer angesehenen Zeitung (fast) dasselbe, was wir auch schon immer gesagt haben. Man badet im Renommee, welches uns sonst versagt bleibt.

Eine andere Reaktion ist die romantische. Die Abneigung gegen Techniker jedweder Art, gegen technisches Denken als einem verbesserungswütigen Kausaldenken überhaupt, ist in manchen Kreisen tief eingebrannt. Schließlich gibt es noch eine dritte Reaktion, die einem Freund-Feind-Schema folgt und deren Frage man zuspitzen könnte: Ist der einer von uns? Keiner dieser Ansätze führt irgendwie weiter. Wer sind und was wollen eigentlich die „Technokraten“, die glauben, das Maß der nötigen Einwanderung ausrechnen zu können?

Hans-Werner Sinn

Ein Fall sei hier herausgegriffen: Der des Wirtschaftswissenschaftlers und Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn. Er ist sicher „keiner von uns“. Im Gegenteil, er verwahrt sich beständig jeglicher Versuche, ihn in die rechte Ecke zu stellen. Trotzdem ist er ein Mann, den viele im Zuge der Eurokrise zu bewundern gelernt haben. Bei Unterzeichnung des Maastricher Vertrages war er noch ein Befürworter der Einheitswährung. Sobald ihm der Schaden ersichtlich wurde, gestand er jedoch seinen Fehler ein – unter Professoren ganz selten – und wurde zu einem der lautstärksten Gegner der Eurorettung. Er war es auch, der die Bedeutung des Target-Systems entdeckte, durch das Deutschland bereits vor sämtlichen Rettungspakten und Aufkaufprogrammen die Defizitländer  finanzierte.

In der Asylkrise hat er sich erneut zu Wort gemeldet. Für Sinn ist sie kein ganz neues Thema. Mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der deutschen Demographie befasst er sich seit längerem. Anfang des Jahres schreckte er zudem die etablierte Medienlandschaft mit einer Berechnung auf, wonach im Schnitt jeder Ausländer den Staat 79.100 Euro mehr kostet, als er an Steuern und Abgaben einbringt.

Trotzdem steht Sinn auf dem Standpunkt, dass Deutschland mehr Einwanderer braucht. Der Geburtenmangel erzwinge es. Diese Form des Doppeldenk ist nicht untypisch für Vertreter der Generation Sinns, die irgendwo doch noch hoffen, dass Ali oder Mehmet ihnen im Altersheim den Hintern abwischen. Auf der einen Seite weiß man, dass die Einwanderung ein Verlustgeschäft ist, auf der anderen Seite möchte man sie weitertreiben, um die Kosten der deutschen Rentenlücke zu schließen.

Also bleibt in den Augen dieser Leute nur ein Weg: Masseneinwanderung ja, aber irgendwie besser. Dazu gehört für Sinn auch die Fehlanreize der Sozialfürsorge abzustellen und zwischen richtigen Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten zu unterscheiden. Aber als Kern seiner Lösung präsentiert uns Sinn die Ausbildung der Einwanderer. Wie dies geschehen soll, wenn diese Leute hauptsächlich aus dem Orient und Schwarzafrika kommen, ist jedoch völlig unklar. Bei solchen bildungstechnischen Machbarkeitsphantasien muss man immer wieder auf die Schwarzen der Vereinigten Staaten verweisen. Dort hat man wirklich alles versucht, sie „in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, es hilft nichts.

Die Schraubendreher

Auch übersieht Sinn wie die meisten Ökonomen die politische Dimension der Einwanderung. Dass es auf Dauer weniger darauf ankommen wird, ob die Rente nun zweihundert Euro höher oder niedriger sein wird, als darum, wer die Macht im Land ausübt. Dass der massenhafte Import selbst noch so gut ausgebildeter Fachkräfte in eine nie mehr zu überwindende Fremdherrschaft führen muss, dieser Gedanke scheint Ökonomen, die in Völkern von Berufs wegen eine Summe von Produzenten und Konsumenten sehen, siriusfern zu liegen.

Eines muss man aber noch in Rechnung stellen, will man diese Machbarkeitsdenker verstehen. Sie argumentieren technisch, aber das Grundsätzliche lassen sie sich vordenken. Der Technokrat übernimmt jede herrschende Weltanschauung, solange sie sich irgendwie mit seinem Fachstandpunkt vereinbaren lässt.

Die Schwäche des Technokraten

An dieser Stelle liegt auch die politische Schwäche des technischen Denkens. Es unterliegt, sobald es auf einen weltanschaulich gefestigten Gegner stößt. Wunderbar kann man das in Sinns jüngstem SPIEGEL-Interview beobachten. Gegen die festen Wertvorstellungen des Fragenden kommt Sinn nicht an. Sobald man Sinn bei den vermeintlich gemeinsamen Werten packt, hat er nichts entgegenzusetzen als seine Kenntnisse als Ökonom. Es kommt, wie es kommen muss: Im entscheidenden Punkt weicht die Einsicht vor der Überzeugung zurück. Dass wir die Asylbewerber aufnehmen müssen, daran wagt auch Sinn nicht zu rütteln, es geht daher nur noch um das „Wie“.

Auf diese Weise wird der Technokrat immer wieder gezwungen, das Falsche zu tun. Der Nur-Fachmann degradiert sich selbst zum Handlanger des Ideologen. Sinn erklärte einmal, er sei als Ökonom ein „Weltverbesserer“: „Wie ein Ingenieur eine Maschine verbessern will, wollen wir die Gesellschaft verbessern.“ Daran ist zunächst gar nichts verkehrt. Man muss nur wissen, was und vor allem für wessen Gebrauch man etwas verbessert. In Sinns Fall muss man von Glück sagen, dass die Verantwortlichen nicht auf ihn hören. Andernfalls reichten ihre Finanzen länger aus und sie könnten noch mehr Fremde ins Land holen, bevor ihr System platzt.

Meta-Pragmatismus

Wenn ich mich bisher gegen Technokraten im Allgemeinen und einen herausragenden Technokraten im Besonderen gewandt habe, so soll eines nicht vergessen werden: Wer immer – und das sind in der gegenwärtigen Opposition leider allzu viele – glaubt, er könnte Deutschland mit der richtigen Gesinnung retten, der irrt. Vollständig. Am technischen Verständnis, dass sicher manche Weltanschauung erschüttert, führt kein Weg vorbei. Andernfalls wird es uns nicht anders ergehen, als den jetzt Herrschenden.

Es entsetzt mich immer wieder, welch kindische Vorstellungen gerade im Bereich der Wirtschaft bei deutschen Nonkonformen umlaufen. Der Erste will den Zins abschaffen, der Zweite das Wachstum, der Dritte will die Banken loswerden, der Vierte leidet unter Autarkievorstellungen und alle zusammen würden sie den Euro lieber gestern als heute mit einem großen Knall platzen lassen.

Man könnte meinen, dass diese Träumereien so lange ungefährlich sind, solange wir nicht an der Macht sind. Aber schon jetzt entfremdet es uns einen Haufen kompetenter Leute. Jeder ist Pragmatiker auf dem Gebiet, von dem er etwas versteht. Diese Pragmatiker werden sich nur dann zur weltanschaulichen Minderheit schlagen, wenn sie dort die verständigeren Leute sehen.

Verständigere Leute sind jene, die nicht unter den technischen Standpunkt hinabsinken, wie es die Romantiker tun. Es sind jene, die über ihn hinausblicken. Männer, die wissen, dass nur die Tatsachen zählen. Und dass es Tatsachen gibt, die nicht auf einer Bilanz vermerkt sind. Meta-Pragmatiker.

Bild: Romy Bonitz, ifo Institut, Wikipedia, CC

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1 Kommentar

  1. Da das Argument der Homogenität bei den meisten nicht gilt (man ist dann der „Nazi“ — sind es die Japaner dann auch?), also das Argument, daß homogene Gesellschaften — sofern es sich um Rassen handelt, die einem harten Selektionsdruck unterlagen: Nordostasiaten und weiße Europäer, Jamaica zählt also nicht — solidarischer und konfliktärmer sind, kann man eigentlich nur noch auf die Automatisierung verweisen: jeder 2te Job wird durch Robotik wegfallen, ca. 18 Millionen.

    Die Jobs, die neu entstehen, werden nur noch für Menschen mit entsprechendem IQ besetzbar sein. Da die Einwanderer nach Deutschland — vor allem Schwarze und Moslems — einen mittleren IQ von 70-84 aufweisen, werden sie die großen Verlierer sein; es sei denn, Deutschland verweigert sich der Modernisierung zugunsten einer falsch verstandenen „Humanität“.

    Das heißt auch: der Sozialstaat kann so nicht weiter existieren. Er muß an die Bedingung geknüpft sein, daß diejenigen, die von ihm abhängig sind, keine Kinder in die Welt setzen. Was wir zurzeit haben, ist ein System, das auch eine „Eugenik“ verfolgt, jedoch eher eine Dysgenik, da die Fähigen kaum oder keine Kinder, die Unfähigen übermäßig viele in die Welt setzen.

    Interessant wird jedoch noch Peak Oil und wie stark sich das tatsächlich auswirken wird (siehe Volkmar Weissens „Die Intelligenz und ihre Feinde“).

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