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Wann stirbt die Multikulti-Linke?

„Es gibt Verhaltensweisen, die dazu führen, dass man sein Aufenthaltsrecht und Schutzbedürfnis verwirkt“,  so äußerte sich jetzt Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister von Tübingen, und fordert gewaltbereite und straffällige Flüchtlinge auch nach Syrien abzuschieben. Bereits im vergangenen September fiel Palmer bei seiner Partei unangenehm auf, indem er anmerkte, dass „nicht Platz für alle sei“. Auch jetzt schäumen die Grünen über Palmers Abweichung von der politisch korrekten Parteilinie. Doch Palmer ist kein Einzelfall. Ein Beitrag von Fabian Müller über linke Querschläger.

Auch Sarah Wagenknechts Zitat nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln geisterte tagelang durch die empörten Redaktionen der großen Leitmedien. Doch dieser Ausrutscher war kein Einzelfall. Nach dem Terroranschlag von Ansbach kritisierte Wagenknecht erneut Merkels leichtfertiges „Wir schaffen das“.  Zwar ruderte sie am folgenden Tag mit einem rückgratlosen Statement auf Facebook zurück, doch der Schaden war bereits angerichtet.

Ankunft in der Realität?

Was steckt nun aber hinter den „rechten“ Aussagen linker Politiker? Gesinnungswandel? Nur Taktik? Dummheit? Möglicherweise sind einige der Linken in der Realität angekommen, zum Unmut ihrer jüngeren Wählerschaft, die nicht mehr durch traditionelle linke Gedanken auffällt, sondern sich einzig und allein vom indifferenten „rechts“ abgrenzen will. Für diese sind solche Sätze der Schock schlechthin. Ihr mühsam aufgebautes Kartenhaus fällt in sich zusammen, wenn führende Politiker wie Palmer mit der Wirklichkeit in ihre bunte Welt platzen. Die darauffolgende Verleugnung und Verleumdung richtet sich dementsprechend gegen ihre eigene Parteienelite und stellt Wagenknecht sogar auf eine Ebene mit Beatrix von Storch. Zumindest, was die Anzahl der Torten anbelangt.

Es deuten sich also Spannungen bei Linken und Grünen an. Unterschieden werden muss zwischen einer neulinken Bewegung, die sich felsenfest an die Willkommenskultur und den friedliebenden Globus ohne Nationalitäten bindet, und einer pragmatischen Linken, die nur theoretisch an ihren programmatischen Prinzipien festhält, aber konsequent auf Problemstände reagiert und Realpolitik betreibt.

Asylkrise spaltet Linke

Diese Spaltung wurde durch die hochdynamische Asylkrise weiter forciert. Immer mehr Politikern, sogar von linker Seite, wurden die Augen geöffnet. Sie stoßen dann allerdings auf herbe Kritik seitens ihrer Parteien. Die Realos der Grünen und Linken, die ihre Basis bei den traditionellen, meist älteren Wählern haben, stehen einer unversöhnlichen Gruppe von neulinken Idealisten gegenüber. Diese haben durch universitäre Multi-Kulti-Prägung das „linke“ mit dem „internationalen“ so fest verwebt, dass sich kein Kompromiss herausbilden kann, egal wie sehr die Wirklichkeit über sie hereinbricht. Einige Realo-Politiker stehen daher vor einem Dilemma, zumal ihnen selbst erst durch den Realitätsschock die Tragweite der unverantwortlichen Politik der offenen Grenzen klar geworden ist.

Die „Idealisten“ werden sich jedoch auch in einigen Jahren die Frage stellen müssen, wie weit sie traditionell linke Positionen aufgeben oder vernachlässigen, sei es die Unterstützung von Gewerkschaften, Arbeitnehmern oder den sozial Bedürftigen, um ihren hochmodernen Traum vom Multikulti zu verwirklichen und ihre junge Wählerschaft zu befriedigen? Im Fall eines Fortbestehens der Asylkrise könnte hier der Scheidepunkt der Linken entstehen. Denn wenn irgendwann auch die überzeugtesten Anhänger von Multikulti persönlich von der Flut in die Sozialsysteme betroffen sind, ihren Lebensstandard aufgeben müssen oder anderweitig mit den Konsequenzen ihrer utopistischen Forderungen in Berührungen kommen, werden auch sie beginnen umzudenken.

Die Basis der Altlinken ist von ihrer Stammpartei enttäuscht. Ursprünglich schaffte es die Linke, aber auch die Grünen, die heimatlosen SPD-Wähler auf ihre Seite zu ziehen, die durch die liberalen Bocksprünge Schröders vergrault wurden. Diese Wählerschaft muss jetzt wieder erleben, wie linke Politiker erneut anstatt sozialer Gerechtigkeit, finanzieller Sicherheit und Bürgernähe ihren Fokus auf andere Dinge richten. Die bunte Bereicherung Deutschlands mit Millionen kulturfremder „Flüchtlinge“ wird aber erst dann so richtig schmerzhaft, wenn der Sozialstaat nicht mehr in der Lage ist, die angeblichen „Neubürger“ genauso zu versorgen wie die Einheimischen. Dann müssen linke Politiker die für sie und das Volk gleichermaßen existenzentscheidende Gretchenfrage beantworten: Multikulti oder Sozialstaat?

Wählerwanderung zur AfD

Bei der Landtagswahl in Thüringen 2014 trat bereits ein überraschendes Ergebnis in Bezug zur Wählerwanderung hervor. Infratest dimap gab bekannt, dass von der CDU 18.000 Wähler zur AfD abwanderten, dicht gefolgt von ehemals linken Wählern mit 16.000 Stimmen, noch vor SPD und FDP. Sollten linke Parteien in den kommenden Jahren weiterhin an ihren realitätsfernen Leitlinien und traumtänzerischen Wünschen festhalten, wird sich der Wählerschwund verstärken und auch antikapitalistische Positionen und Parolen werden diesen Verlust nicht mehr kompensieren können.

Das erkennt auch Boris Palmer, zumal dieser tagtäglich in seiner Stadt mit den Früchten von Merkels Willkommenskultur zu kämpfen hat. So mag dieses Liebäugeln mit „rechten“ Positionen, auch von Wagenknecht, zwar einen medialen Aufschrei verursachen, könnte aber verhindern, dass die von der Flüchtlingspolitik enttäuschte „stille“ Wählerschaft zur AfD abwandert. Auch Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat mit einer gemäßigten Grundhaltung viele Wähler an sich gebunden, indem er seinen konservativen Charakter mit der grünen Partei gekonnt verbindet.

Mittlerweile können auch immer mehr Linke die Wahrheit nicht mehr leugnen. Die ungebremste Zuwanderung stellt Deutschland vor immense soziale und ethnische Probleme. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, werden linke Parteien weiter an Stimmen verlieren, es sei denn, sie besinnen sich auf ihre eigenen Aufgaben zurück und öffnen die Augen vor der katastrophalen Zuwanderung. Denn sollten weiterhin Millionen Flüchtlinge in die deutschen Sozialsysteme einwandern, wird nicht viel übrig bleiben, was man gerecht verteilen kann.

(Bild: Boris Palmer, Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg, flickr, CC BY-SA 2.0)

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2 Kommentare

  1. Der größte Schwachpunkt der Multikulti-Linken ist doch, dass ihre Einstellung auf zwei völlig konträren Annahmen beruht. Einerseits halten sie den Westen wegen seiner einstigen Kolonialpolitik, der kapitalistischen Ausbeutung und den von ihm forcierten Kriegen und den Waffenlieferungen für schuld am Elend der Dritten Welt, sodass wir zur Aufnahme von Millionen vermeintlicher Flüchtlinge moralisch verpflichtet seien. Andererseits gehen sie implizit davon aus, dass diese Schuld nun doch wieder nicht so tief reicht, dass sie nicht (durch Aufnahme von Flüchtlingen und der Teilung unseres Wohlstands) wiedergutzumachen ist. Denn wenn sie das nicht ist, besteht aller Grund zu der Erwartung, dass ein großer Teil der aus vermeintlich humanitären Gründen aufgenommenen Zuwanderer sich an uns rächen wollen. Sie hätten ja auch alles Recht dazu. Wenn man jedenfalls den afrikanischen und nahöstlichen Einwanderern eine gewisse Würde zugesteht, dürfte man gar nicht erwarten, dass sie überhaupt unsere westliche Lebensart annehmen und sich hier integrieren wollen. Insofern führt die moralisierende Begründung für die Massenaufnahme der kulturfremden Einwanderer eigentlich genau dazu, den von „rechts“ kommenden Erwartungen bezüglich der Nichtintegrierbarkeit der Menschen recht zu geben.

    Überhaupt kann die logische Konsequenz dieses Schuldkultes eigentlich nur der kollektive Selbstmord sein. So weit will man dann aber doch nicht gehen. In Wahrheit sind die Multikulti-Linken nämlich nicht so uneigennützig, wie es sich darstellt. Bereitschaft zum Teilen des eigenen Wohlstands ist nur in geringem Ausmaß vorhanden, insofern man die Kosten der eigenen Politik ja auf die Allgemeinheit abwälzt, statt etwa einen „Freiwilligenfonds“ zu gründen, sodass nur die Anzahl an Migranten reingelassen wird, für die er auch bezahlen kann. Die meisten Anhänger dieser Ideologie kommen ja auch aus saturierten Verhältnissen wohlhabender Elternhäuser, die sich weitgehend zu den Gewinnern der Globalisierung rechnen können. Man weiß es nicht genau, aber vielleicht spielt ja auch unbewusst die Befürchtung eine Rolle, dass eine Abschottung gegenüber den Migrantenströmen auch einen Rückschlag für die Globalisierung bedeuten würde, in der man sich doch wirtschaftlich und überhaupt vom Lebensgefühl her ganz gut eingerichtet hat. Im Ergebnis jedenfalls waren die Multikulti-Linken bis zuletzt die nützlichen Idioten des eigentlichen linken Gegners namens Kapitalismus, da dieser sowohl von einem Heer billiger ausländischer Arbeitskräfte als auch überhaupt vom Bedeutungsverlust des Nationalstaats mit der Folge unregulierter Güter- und Kapitalmärkte profitiert.

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