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Zurückgeschickte Asylbewerber aus dem Kosovo wollen wieder nach Deutschland

In der ZEIT erschien gestern ein Beitrag über „freudlose Heimkehrer“. Gemeint sind damit jene Kosovaren, die letztes Jahr nach Deutschland kamen und deren Asylantrag abgelehnt wurde. Viele von ihnen sind „freiwillig“ in den Kosovo zurückgekehrt, weil dies erstens von der Bundesrepublik finanziell über Rückkehrhilfen gefördert wird und zweitens nur bei einer „freiwilligen Ausreise“ die Möglichkeit besteht, einen erneuten Einwanderungsversuch nach Deutschland zu starten.

Bis zu 1858 Euro für eine dreiköpfige Familie zahlt der deutsche Staat den sogenannten „Balkan-Flüchtlingen“, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Das ist viel Geld für sie, verdienen sie doch in ihrer Heimat teilweise nur 170 Euro pro Monat.

Hinzu kommt, daß die Bundesrepublik dem Kosovo auch noch Entwicklungshilfe zahlt, obwohl die Regierung und der Staat nicht in der Lage sind, die eigenen Bürger halbwegs zufrieden zu stellen. 32,59 Millionen Euro flossen 2014. Doch selbst der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat längst erkannt, daß diese Finanzspritzen nichts bringen. Letztes Jahr betonte er: „Wir werden Staatsversagen nicht mit Entwicklungshilfe kompensieren.“ Geschehen ist bis heute jedoch noch nichts. Auf der Internetseite des Ministeriums heißt es weiterhin: „Das wichtigste entwicklungspolitische Ziel ist die Unterstützung Kosovos auf dem Weg in die EU.“

Dazu wird es auf absehbare Zeit zwar nicht kommen, die Kosovaren hoffen dennoch darauf, bald legal nach Deutschland zurückkehren zu können. Wenn Bundeskanzlerin Merkel also einmal wieder betont, sie wolle aus illegaler legale Migration machen, so wird man dies auch im Kosovo ganz genau verfolgen und entsprechend reagieren.

(Bild: Martin Gommel, flickr, CC)

Das folgende Video zeigt, wie die „freiwillige Ausreise“ von Asylbewerbern aus den Balkan-Staaten läuft:

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Autor: Felix Menzel

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar

  1. Wie verrückt Deutschlands offene Grenzen sind, zeigt sich gerade auch an der Frage der Abschiebungen. Jede Abschiebung ist im Grunde keine, wenn die Möglichkeit der Wiedereinreise nicht weitgehend ausgeschlossen werden kann. Zwar wird kaum jemand Dutzende Male die gefährliche Reise über die Ägäis und die Balkanroute riskieren, aber im Falle der Balkanstaaten gilt das bekanntlich nicht. Auch Balkanstaaten-Angehörige könnten sich als syrische Staatsbürger ausgeben.

    Ganz verrückt wird Deutschlands Asylpolitik aber, wenn man die aktuelle Entscheidung Österreichs, nur noch 3.200 Migranten pro Tag durch das Land weiterreisen zu lassen, berücksichtigt. Man stelle sich vor, diese Zahl wäre noch viel geringer oder gar kein Staat auf der Balkanroute würde noch Flüchtlinge/Asylbewerber durchlassen. Würde Deutschland dann aus angeblich humanitären Gründen direkt Flüchtlinge aus Griechenland einfliegen lassen, weil die anderen Länder sich weigern, sie nach Deutschland durchreisen zu lassen? Das ließe sich wohl kaum gegenüber der eigenen Bevölkerung vermitteln.

    Im Grunde genommen wäre Deutschland vor dem Asylansturm ja geschützt, wenn andere Länder sich nicht als Asyl-Korridor hergeben würden. Es ist zwar für einen Staat wesentlich angenehmer, Asylbewerber durchreisen zu lassen als sie selbst aufzunehmen. Dennoch ist selbst die ungeregelte Durchreise einem souveränen Staat eigentlich nicht würdig, schließlich kann man nicht genau kontrollieren, was die Asylbewerber auf ihrem Weg alles anstellen. Wenn die Staaten auf der Balkanroute also den Korridor offen lassen, obwohl sie logistisch in der Lage wären ihn zu schließen, schaden sie damit gezielt Deutschland. Einem Land, das es nicht anders will, aber dennoch schaden sie ihm.

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