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Es wird geschossen – von der Türkei!

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Seltsam oder bezeichnend? Neun Syrer sollen am Freitagabend von türkischen Grenzschützern erschossen worden sein und keinen interessiert es. Warum? Weil die Quelle nicht vertrauenswürdig ist oder weil die Richtigkeit der Nachricht entlarven würde, daß Angela Merkel Blut an den Händen kleben hat?

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zählt seit Jahren zu den wichtigsten Quellen der etablierten Medien, wenn es um die Grauen des dortigen Bürgerkriegs geht. Gestern nun meldete diese Stelle, neun Syrer, die illegal in die Türkei einreisen wollten, seien an der türkischen Grenze erschossen worden. Zehn weitere seien verletzt worden. Amnesty International hatte bereits ähnliche Vorwürfe gegenüber der Türkei erhoben, aber auch da blieb der Aufschrei aus.

Gerade linken Politikern geht es nicht um die Wahrheit

Warum, ist nun die große Frage. Liegt es wirklich nur daran, daß niemand die Anschuldigungen überprüfen kann? Wohl kaum, denn bei anderen Fällen interessiert es gerade die Politiker linker Parteien auch nicht, was sich tatsächlich ereignet hat. Wenn sie einen Vorfall, z.B. einen vermutlich rechtsextremen Anschlag, politisch ausschlachten können, so machen sie das auch ohne Rücksicht auf die endgültige Wahrheit.

Wer hat also ein Interesse daran, daß über diese Nachricht – egal, ob sie sich als richtig oder falsch herausstellt – nicht gesprochen wird? Richtig: Angela Merkel und mit ihr das gesamte politische Personal, das der Meinung ist, man könne die eigene Grenzsicherung an die Türkei delegieren, um sich die eigenen Hände nicht schmutzig machen zu müssen. Wenn herauskäme, daß die Türkei Flüchtlinge erschießt – noch dazu welche, die direkt aus dem Bürgerkrieg kommen –, dann wäre die Bereitschaft, Merkel zu folgen, endgültig dahin.

Merkels Strategie: Häßliche Bilder vermeiden

Dann würden alle zu Recht sagen: Wir müssen die Grenzsicherung doch in die eigene Hand nehmen und an der EU-Außengrenze entscheiden, wen wir hereinlassen und wen wir zurückschicken. Solange allerdings die Sicherung der Außengrenze nicht funktioniert, müßte bis dahin jeder EU-Staat seine eigene Grenze selbst schützen. Ein Plan, den Merkel aus welchen Gründen auch immer vehement ablehnt. Vermutlich geht es ihr wirklich einfach darum, häßliche Szenen an der deutschen Staatsgrenze zu vermeiden und die Drecksarbeit die anderen machen zu lassen. Deutschland kann sich ja immerhin großzügig mit dem Scheckbuch engagieren.

Doch genau diese Politik ist verbrecherisch. Warum wird schnell klar: Wenn Deutschland und Europa die Grenzen schließen, weiß jeder potentielle Migrant, daß nun Feierabend ist. Ein paar werden es natürlich weiterhin versuchen, aber wenn sechs Wochen lang jeder illegale Einwanderer zurückgeschickt wird und keine Sozialleistungen erhält, dürfte die Asylkrise beendet sein.

Wenn die Türkei die Grenzsicherung übernimmt, spielt Merkel weiter Mutter Teresa

Die „Grenzsicherung“ mit türkischer Unterstützung läuft dagegen so: Ohne über allzu schmerzhafte Konsequenzen nachdenken zu müssen, können sich Merkel und die Anhänger ihres Kurses weiter gegenüber der eigenen Bevölkerung als Samariter inszenieren und die „Willkommenskultur“ beschwören. Ein paar Hunderttausend „Flüchtlinge“ nimmt man dann eben jedes Jahr der Türkei ab, was finanziell nicht so weh tut, wie wenn mehrere Millionen Menschen direkt vor dem eigenen Arbeitsamt stehen würden. Das Problem: Die Merkel-Selfies und Ansprachen werden auf der ganzen Welt genauestens verfolgt.

Wenn sie also weiter Mutter Teresa spielen kann, kommen viel mehr Migranten in die Türkei, als wenn Merkel selbst für die Grenzsicherung verantwortlich wäre und sich rhetorisch zurückhalten müßte, um Migranten wirkungsvoll abzuschrecken, damit diese erst gar nicht an die europäische oder deutsche Grenze kommen. Die Türkei nun wiederum wird diesen Ansturm mit allen Mitteln verhindern wollen und dabei vermutlich brutaler vorgehen als Deutschland und Europa.

Der moralische Zeigefinger der deutschen Medien und Politik

Während nach den Bildern in Idomeni von den deutschen Medien und Politikern der moralische Zeigefinger erhoben wurde, spricht niemand darüber, wie die Türkei „Flüchtlinge“ behandelt und wie Erdogan sich die Grenzsicherung vorstellt. Je weiter weg von Deutschland Verbrechen geschehen, desto eher sind diese mit der moralischen Überheblichkeit der Deutschen vereinbar.

Die Gültigkeit dieses Gesetzes werden wir 2016 noch beobachten können. Achso, eine Voraussetzung dafür gibt es natürlich noch: Die Medien müssen uns die dafür notwendigen Informationen mitteilen. Wenn dies nicht massenwirksam geschieht, ist der Mehrheit der Deutschen sowieso alles egal, solange der eigene Wohlstand aufrechterhalten bleibt.

(Bild: DonkeyHotey, flickr, CC BY-SA 2.0)

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Veröffentlicht von

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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  1. Die aktuelle Lage ist reichlich verwirrend. Warum nehmen aktuell die Migranten nicht die Route über Albanien, das offenbar noch keinen Zaun an der Grenze zu Griechenland errichtet hat? Und warum gilt die Türkei als Schlüsselland zur Bewältigung der Migrationskrise, wenn die Migrationswellen sich auch nun auf Nordafrika verlagern könnten, wo man aber seit dem Fall von Gaddafi in Libyen keinen zu Erdogan analogen Diktator mehr hat, um die Menschen von der Überfahrt abzuhalten? Nur weil die Fahrt über das Mittelmeer gefährlicher ist und die „Fallzahlen“ deshalb niedriger sind? Mit einiger Sicherheit müsste man auch die nordafrikanischen Länder wie die Türkei schmieren, zum Einen um die Migranten abzuhalten und zum Anderen um abgelehnte Asylbewerber abschieben zu können. Für eine weitere Verwirrung sorgte vor wenigen Tagen Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der dieses Jahr 1,5 bis 1,6 Millionen Migranten erwartet (die nach der Schließung der Balkanroute alle über Türkei-Kontingente oder das Mittelmeer hierhinkommen werden?).

    Die Schließung der griechisch-mazedonischen Grenze gehört wahrscheinlich zu den „Facts on the ground“, die in der Merkelschen Betrachtungsweise denselben Charakter wie Migrationswellen selbst aufweisen. Niemand konnte die Migrationswellen nach Europa aufhalten, aber niemand kann nun die Staaten auf der Balkanroute darin aufhalten, Deutschland den Migrantenzustrom abzuschneiden. Könnte hierin eine Art strategische Meisterleistung bestehen nach der Devise: Merkel weiß, dass die anderen Staaten auf der Balkanroute kein Interesse an einer Überforderung des Landes in der Mitte Europas haben, also kann sie davon ausgehen, dass sie im Zweifel den Job der Grenzsicherung für Deutschland machen.

    Letztlich wäre es dann immer noch die geographische Lage Deutschlands, die Merkel diese dreiste Delegierung der Verantwortung ermöglicht. Würde Deutschland am Mittelmeer liegen, käme Merkel um eigene Anstrengungen zum Grenzschutz nicht herum.

    Falls Merkel jedenfalls in der Migrationsfrage wirklich aus rein machttaktischen und nicht ideologischen oder sonstwie psychologisch erklärungsbedürftigen Gründen handeln würde, wäre dies für Deutschland immer noch die bessere Variante. Zwar ist ein machtversessener keineswegs automatisch ein guter Bundeskanzler, weil er zum Wohl des Landes im Zweifel auch einen unpopulären Weg einschlagen müsste, der ihm das Amt kostete. Aber Interesse an der Zerstörung des Landes kann er eigentlich nicht haben, da diese seine Amtszeit offensichtlich limitieren würde, in diesem Fall wohl auf wenige Monate. Wir müssten also hoffen, dass Merkel nur am Machterhalt interessiert denn verrückt ist.

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  2. Angela Merkel kann die Schließung der Balkan-Route nicht zulassen und wird dies auch nicht, wie es jüngste Meldungen zum EU-Gipfel erwarten lassen. Der Grund: Vermeintliche oder tatsächliche Flüchtlinge und Migranten, die ihre Hoffnung einzig und allein auf Merkel gesetzt haben, drohen dann zutiefst beleidigt zu sein. Das würde ihr Ansehen als moralische Leitfigur Europas unmittelbar und nachhaltig zerstören – denn Flüchtlinge gelten als gut, und wenn Flüchtlinge Merkel verfluchen, dann geht das gar nicht. Die einzige Alternative wäre dann eine Luftbrücke zwischen Griechenland und Deutschland.

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  3. Merkel wird heute in einer Woche die Leute in Idomeni abholen lassen. Da bin ich mir sicher.

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  4. Wenn nur noch Syrer die Balkanroute benutzen dürfen, dann sind im Zweifel eben alle, die kommen, Syrer.
    Ein syrischer Pass ist ja nicht teuer.
    Damit haben wir gar nichts gelöst und sind bei der alten Situation.
    Wir haben eine halbe Million Syrer aufgenommen, ich finde, das reicht. Damit haben wir unseren Beitrag geleistet.

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