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Völkische Rassisten: Überall!

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Wie Begriffe zur Stigmatisierung genutzt werden. Pierre Aronnax über die Re-Normalisierung des Selbstverständlichen.

In den Tagen nach der gelungenen Besetzung des Brandenburger Tors durch die Identitäre Bewegung gab es quer durch den Blätterwald diverse Kommentare und Analysen zur vermeintlichen Ideologie der Neuen Rechten zu lesen. Gleichlautendes wird ebenso regelmäßig gegen die Junge Freiheit, die Zeitschrift Sezession, die Blaue Narzisse und sogar die AfD verschossen. Was sind die Kernpunkte der Argumentation gegen dieses politische Milieu, die nicht nur von Zeitungs-Kommentatoren und linken Sozialwissenschaftlern, sondern auch vom Verfassungsschutz genutzt werden?

Der Vorwurf? Kein Nazi zu sein!

Die Beobachter der Neuen Rechten sind sich weitgehend einig darin, dass es sich bei ihr nicht um Nazis handelt, auch nicht um bloß verkleidete. Soweit, so folgenlos: Denn genau dieser Umstand liefert den verschwörungstheoretischen Nexus zum Vorwurf der Tarnung und Verstellung, erkennbar an den für die „Rechtsextremismus-Experten“-Szene typischen Stichwörtern wie „Taktik“, „Strategie“ und „Methode“, derer sich Rechte bedienen würden, um in die Köpfe der Bürger zu gelangen. So setze man je nach sozialem Milieu und Zielgruppe eben auf eine besondere „Taktik“, um seine Ideologie unters Volk zu bringen: Die Sezession und die Blaue Narzisse „geben sich“ dabei intellektuell. Die Identitären „machen auf“ jugendlich und die AfD „bedient“ sich eben des bürgerlichen „Anstrichs“ ihrer Mitglieder und Anhänger. Egal, in welchem Umfeld Rechte also auftreten: Immer verstellen sie sich. Übersetzt: Immer lügen sie. Was bei allen anderen politischen Bewegungen und Parteien als völlig normal gilt, nämlich seine Inhalte möglichst ansprechend zu vermarkten, um seinen gesellschaftlichen Einfluss zu vergrößern, wird bei der Rechten zum Skandal hochgejazzt.

Warum aber muss man die Neue Rechte stets der Lüge bezichtigen? Einerseits natürlich, um das Publikum und potentielle Anhänger zu verunsichern. Wer lügt, dem kann man nicht trauen. Andererseits, um damit die Pforte für allerhand Unterstellungen zu öffnen, die man ohne diesen Vorwurf nicht machen könnte. Nähme man die Neue Rechte beim Wort und würde sich auf das beschränken, was sie tatsächlich schreibt, sagt und tut, könnte man diese Verleumdungen nämlich nicht vornehmen. Doch die Worte der Neuen Rechten, sind so harmlos, dass sie erst einmal „entschlüsselt“ werden müssen, damit ihre wahre Gefahr offenbar wird.

Killerphrase: Völkischer Rassismus

Was kommt da also aus dem Ei, wenn man die Schale der Neuen Rechten aufklopft? Das Kind hat mehrere Namen und wird gemeinhin als „Rassismus“ bezeichnet. Den gibt es dann in zwei Geschmacksrichtungen: „völkisch“ oder „kulturalistisch“. Fühlt man der Sache auf den Zahn und bekommt gelegentlich gar eine knappe Rassismusdefinition mitserviert, dann lautet der Vorwurf an die rechte Adresse in etwa folgendermaßen: Man sehe sich selbst als ein durch eine essentielle Identität miteinander verbundenes Volk, also als eine geschlossene Gruppe von Menschen, die gerade durch ihre Geschlossenheit Minderheiten ausschließt oder gar diskriminiert. „Völkisch“ ist dabei die Bezugnahme auf das eigene Volk, „kulturalistisch“ die auf die eigene Kultur, also beispielsweise die abendländische oder europäische.

Nun ließe sich trefflich über die Brauchbarkeit einer solchen Definition des Rassismus streiten, klingt das Ganze zunächst einfach nur nach Orwellschem Gedankenverbrechen, das wohl nur in ausgewählten Ländern der westlichen Welt geahndet werden kann, weil es überall anders als völlig selbstverständlich gilt, seine Identität zu großen Teilen aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu beziehen, sei es ein Volk oder eine Religionsgemeinschaft. Alain de Benoist, der selbst einen differentiellen Anti-Rassismus vertritt und der als maßgeblicher Vordenker der Neuen Rechten zu gelten hat, definiert Rassismus als eine Hierarchisierung von Ethnien, die als Legitimation von Gewalt dient. Dies entspricht im Wesentlichen auch dem volkstümlichen Verständnis von Rassismus. Und genau darum ist dieser Vorwurf so beliebt: Weil er sich unter dem Mantel eines gesellschaftlich geächteten Phänomens in die Debatte schleicht.

Der „kranke“ Rechte

Der Versuch, die Neue Rechte mittels des Rassismusvorwurfes bei den Bürgern in Ungnade fallen zu lassen, verfängt jedoch nicht mehr so recht. Kulturen, Ethnien und Völker unterscheiden sich eben. Jeder, der mit offenen Augen durch Berlin-Neukölln und danach durch die deutsche Provinz geht, kann sich davon leicht überzeugen. Nun fordert die Neue Rechte nichts anderes, als diesem Umstand Rechnung zu tragen und sich dafür einzusetzen, dass die europäische Kultur angesichts einer globalen Völkerwanderung nicht auf kurz oder lang verschwindet. Doch genau diese Bedrohung wird nach Vortrag des Rassismusvorwurfes von Medien und Behörden stets geleugnet und in den Konjunktiv gesetzt, als würden diejenigen, die eben diese ernst nehmen, Geisteskranke mit gravierenden Wahrnehmungsstörungen sein.

Sapere aude!

Dieser Pathologisierungsversuch zerfließt anhand der im Übermaß vorhandenen demografischen und gesellschaftlichen Fakten allerdings wie Butter in tibetischem Yak-Tee. Wer versucht, über persönliche Stigmatisierung Politik zu betreiben, will damit andere zwingen, sich seinem Dogma zu unterwerfen, da er andernfalls von gleichfalls Eingeschüchterten seinen Arbeitsplatz gekündigt bekommt oder seinen verunsicherten Freundeskreis verlieren könnte.

Doch das selbstverständliche Einstehen für seine eigenen Interessen bedarf keiner äußeren moralischen Legitimation. Leute mit einer so offensichtlichen eigenen Agenda, wie Vertreter der politischen Linken oder Beamte, die vom guten Willen der Regierungsparteien abhängig sind, sollten einem ohnehin nicht als moralische Instanzen dienen. Das Einzige, das hier hilft, ist: Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und die jeweiligen Standpunkte auf beiden Seiten der Debatte zu Ende zu denken, deren Prämissen zu untersuchen und am Ende auf der Basis seiner eigenen Erfahrung eine Entscheidung zu treffen, für einen dieser Standpunkte einzustehen, weil man ihn selbst als richtig erkannt hat.

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(Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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  1. Die Linken sind einfach Feiglinge.
    Denn bevor sie sich ernsthaft mit kritischen Themen befassen, haben sie lieber stets ihr Idol (die Nazi-Gräueltaten) vor Augen, und schreien laut auf: Rassismus.
    Um es nochmal zu wiederholen: Das Idol der Linken, welches für sie Wegweisend ist, sind Nazi-Gräueltaten.
    Ihr Ziel ist es jegliche Mittlere oder Rechte Tendenz zu unterbinden, da sie glauben, dass es ja alles zu Nazi-Gräueltaten führen kann.
    Absolut lächerlich…
    Und wenn sie noch mehr Ausländer importieren, dann werden sie selber die ersten sein welche Gräueltaten begehen, wenn es mal richtig hart wird. Ja, was für eine Ironie. Der Nazi und der Linke: Gegenüberliegende Seiten von ein und der gleichen feigen Münze!

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