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Wie mich ein WDR-Autor zum „Rechtsextremisten 2.0“ abstempelte

8 Kommentare

In dem WDR-Radiofeature „GUTEN MORGEN, ABENDLAND! Die Invasion der Identitären“ komme ich zwischen Minute 10 und 20 recht ausführlich zu Wort. Um dieses Feature besser einordnen zu können, möchte ich einige Hintergründe schildern und kurz meine Meinung dazu äußern:

Als Manuel Gogos mich das erste Mal fragte, ob ich ihm ein Interview geben würde, sagte ich ab. Zwei Gründe gab es dafür: Erstens ließ er durchblicken, daß es ein Feature über die Identitären werden soll. Da ich niemals Mitglied der Identitären Bewegung war, habe ich Gogos deshalb geraten, direkt mit den Aktivisten zu sprechen. Zweitens habe ich wirklich überhaupt keinen Bock mehr, mit Journalisten zu sprechen, deren einzige Absicht es ist, mich möglichst weit nach rechts zu schieben und den Eindruck zu erwecken, mit Menzel würde ein zweites 1933 anbrechen.

Gogos ließ nicht locker. Bei seinem zweiten Versuch, mich für sein Feature zu gewinnen, versprach er mir, es werde nicht nur um die Identitären gehen, sondern auch um unsere kulturellen Anliegen und die intellektuelle Szene rechts der Mitte. Ok, dachte ich mir. So schlimm wird´s schon nicht. Ich sagte daraufhin für das Radio-Feature zu. Meine Absage für den ebenfalls geplanten Fernsehbeitrag blieb allerdings bestehen. In den letzten Jahren habe ich zwei-, dreimal zu häufig am eigenen Leibe erlebt, mit welch fiesen Methoden deutsche Fernsehsender ihre Filmchen zurechtschneiden. Fernsehinterviews gebe ich deshalb grundsätzlich keine mehr. Einzige Ausnahme: Ausländische Sender sowie Beiträge, in denen ich ungeschnitten zu Wort komme.

Nun aber direkt hinein ins WDR-Feature: Es geht damit los, daß dem Zuhörer irgendwas über die „Zukunft des Rechtsextremismus“ erzählt werden soll. Dieser „Rechtsextremismus 2.0“ sei „mainstream-kompatibel“ und die Anhänger würden Hip-Hop hören.

Wie bitte? Damit sich keiner Sorgen macht: Hip-Hop ist und bleibt das allerschlimmste, was man seinen Ohren antun kann. Und „mainstream-kompatibel“ möchte ich auch nicht werden. Niemals! Richtig ist, daß eine politische Bewegung, die Erfolg haben möchte, Ikonen und popkulturelle Erzeugnisse mit eigenen, neuen Bedeutungen aufladen sollte. Das habe ich so vor vielen Jahren in meinem Büchlein über Medienrituale und politische Ikonen geschrieben und freue mich selbstverständlich, daß dieser Ratschlag auch immer gründlicher praktisch umgesetzt wird.

Darüber wollte Gogos allerdings nicht mit mir sprechen. Als wir uns trafen und durch Dresden spazierten, ging es hauptsächlich um die Asylpolitik. Ich erklärte ihm, wie ich mir die Flüchtlingshilfe direkt vor Ort in den Krisenregionen vorstelle, was leider im Feature viel zu kurz kommt.

Dankbar bin ich dagegen dafür, daß Gogos jene Stelle mit aufgenommen hat, wo es um Gewalt gegen Asylheime geht und die Verrohung der Sprache über die Migrationspolitik. Dann ging es um den Begriff „Überfremdung“: Ich bleibe dabei, er ist angemessen für Städte am Kippen, wo die ausländische Bevölkerung 40 oder 50 Prozent beträgt. Er ist selbstverständlich unangemessen für den Freistaat Sachsen.

Gogos hat nun nachträglich in das Feature den Einwand eingeschoben, es gebe solche Städte am Kippen überhaupt nicht. Das stimmt einfach nicht. Schauen Sie nach London, Rotterdam, Offenbach, …

Wer hier Fakten manipuliert, bin nicht ich. Nein, das sind Sie, Herr Gogos! Ich habe das Überfremdungsproblem differenziert erläutert. Die Sachsen gehen nicht etwa auf die Straße, um gegen die vier, fünf Prozent Ausländer im Freistaat zu demonstrieren. Sie wollen vielmehr westeuropäische Großstadtverhältnisse präventiv verhindern! Darum geht es mir und zum Glück auch vielen Menschen in meiner Heimat!

Wie es mir Gogos versprochen hatte, bekam die Kultur übrigens auch ihr Plätzchen im Feature. Das bißchen Houellebecq und der Ausschnitt aus Vladimir Sorokins Roman Telluria beeinflußten die Gesamtaussage jedoch nicht. Kurz vor Schluß wird auf einmal erklärt, die sich so klug und anständig gebenden „Rechtsintellektuellen“ seien in Wirklichkeit eben doch „geistige Brandstifter“. Die Judenvernichtung wird danach auch noch aus dem Hut gezaubert, damit der letzte Vollidiot begreift, was angeblich unsere geheime Mission ist.

Jetzt werden wieder alle „Lügenpresse“ denken, ohne daß ich diesen Begriff in den Mund nehmen muß, weil ich auch das schwierige Verhältnis der patriotischen Opposition zu den Medien differenzierter sehe.

Aus meiner Sicht hat Gogos mit diesem Beitrag wie die allermeisten seiner Kollegen dazu beigetragen, daß sich am Ende links wie rechts die Populisten durchsetzen. Denn: Wenn Differenzierung nichts bringt, haben einfache Antworten in der Tat eine große Verführungskraft. Die Aufgabe der Medien wäre es gerade, diese Differenzierung zu fördern, anstatt sie unter den Tisch zu kehren.

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Veröffentlicht von

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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  1. Tja schwierig.

    Der Manuel Gogos hat vermutlich Angst wegen seinen griechischen Wurzeln.
    Ironisch ist, dass er sein Radio-Beitrag „Die Invasion der Identitären“ genannt hat. Invasion! Invasion?
    Das ist doch Blödsinn!
    Hat er soviel Angst, dass er hier schon eine Invasion sieht?
    Ich sehe eher eine Invasion von etwas anderem. Von Fremden. Und von Deutschen welche die Willkür haben wollen, aber es Offenheit und Toleranz nennen.

    Ist in Deutschland alles gut? (Diese Frage gilt auch an Gogos).
    Nein.
    Es ist eine bröckelnde Gesellschaft, wo jeder tut was er verdammt-nochmal selber tun will.
    Wo die Wirtschaft tut was-immer-sie-verdammt-nochmal tun will (z.B. ins billig-Land auslagern, damit die Firmen-Führung noch mehr Profit machen kann).
    Wo im dicht-bevölkerten Deutschland… die Bevölkerung nicht mehr zusammenhilft und arbeitet, sondern schon mit anderen Deutschen konkurrieren.
    Wo es Altersarmut geben wird.
    Wo man im Namen der Hilfe und Toleranz… sich selber überfordert… und schlussendlich Hass erzeugt.

    Vielleicht sind es die Leute denen es eigentlich gut geht, die am lautesten den aktuellen Status Quo beibehalten wollen! Denn Änderung kann ja eine Gefährdung darstellen. Viel lieber bleiben sie beim alten, da es ihnen ja „gut“ geht.
    Das Problem ist nur: vielleicht basiert die Tatsache dass es ihnen gut geht, nicht auf dem aktuellen Status Quo (alles geht, jeder darf was immer er will, alles erlaubt, jeder darf beliebige Ziele verfolgen, alles voll frei), sondern auf Tugenden von gestern (Bemühung, Anstrengung, Zusammenhalt, Gemeinsame Werte und Ziele).

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  2. Addendum:

    …Werte von Gestern…

    Naja… „gestern“ ist nicht akkurat. Ich sollte genauer spezifizieren.
    Bemühung, Anstrengung, Zusammenarbeit, usw. sind nicht die Werte einer bestimmten Zeit.
    Ich meine… siehe an… „Gestern“ wurde Nazi-Deutschland hervorgebracht. Es gab immer Idioten und das Schlechte, und das wird es auch immer geben.
    Darum ist auch „Deutschland schafft sich ab“ (so sehr ich es verstehe, und in der Essenz der Idee… ähnlicher Auffassung bin), nicht ganz akkurat. Es suggeriert, dass es ein perfektes Deutschland schon gab (oder gerade noch gibt). Dies stimmt so natürlich nicht.

    Die benannten Tugenden, sind Tugenden von Leuten die edel, selbstbewusst (aber dennoch mild) sind.
    Gut wenn die breite Bevölkerung zu solchen Tugenden strebt.
    Beunruhigend aber … wenn die Bevölkerung sich vortäuscht solche Tugenden zu haben, aber die Mehrheit eigentlich marode Seelen der Moderne (Freiheit als Willkür, usw.) sind…

    Antworten

  3. Pepe: „Der Manuel Gogos hat vermutlich Angst wegen seinen griechischen Wurzeln.“

    Ja, er wird sich nie mit der Sicht eines Menzel oder Sellner anfreunden können, egal wie offen/respektvoll/würdevoll diese Sicht sein würde.
    Grund: In seinem Text (http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/identitaere-rechtsextremismus-100.html) fragt er „Dürfte ich überhaupt existieren?“.

    Also fragt er sich, ob er überhaupt in Deutschland existieren dürfte, wenn die Mehrheit nach Menzel und Sellner agieren würden. Das ist für ihn eine so grundlegende Frage, wo (aus seiner Sicht) seine Existenz bedroht sein kann; und daher kann er nicht anders… als wie die Sichten eines Menzel und Sellner… schlussendlich als „rechtsextremismus“ hinstellen…

    Antworten

    • Genau diese Frage hätte Gogos uns ja stellen können, aber er wäre mit der Antwort unzufrieden gewesen, denn selbstverständlich darf er hier bei uns in Deutschland leben, da habe ich überhaupt nichts dagegen. Warum auch?

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    • „Dürfte ich überhaupt existieren?“.

      Diese Ich-Bezogenheit ist unerträglich. Vox Day hat es auf den Punkt gebracht:

      „Also, if your first response to the discussion of a macro-societal level issue is ‚well, what about me?‘, you are not fit to participate in the discussion. If you don’t care about anyone else’s interests, there is absolutely no reason for anyone else to take yours into account.“

      https://voxday.blogspot.de/2016/11/still-not-about-you.html

      Gerade er als Grieche solte doch wissen, wie fatal die massenhafte Einwanderung der Türken für die Griechen war, denn durch Vermischung mit jenen fiel der mittlere IQ auf heute 92 . Griechenland kann wirtschaftlich gar nicht aufholen, da der Anteil der Klugen zu gering ist (Smart Fraction Theory) Dies liegt am geringen mittleren IQ der Griechen, überhaupt der Südeuropäer. Mit denen kommt man nicht auf den Mond. Schon gar nicht mit der Dritten Welt. Siehe Lynn und Vanhanen (IQ and the Wealth of Nations), oder auch Garett Jones‘ Hive Mind. Die nationalen mittleren IQs korrelieren stark — mehr als 0,7 — mit dem Bruttoninlandsprodukt pro Kopf.

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      • So ein absurdes IQ Geschwätz! Da wird einem ja schlecht.

        Dann solch lächerliche Sätze wie „Mit denen kommt man nicht auf den Mond“. Als ob es bestrebenswert ist auf den Mond zu kommen. Leute die blind den technische Fortschritt als die Lösung aller Dinge huldigen (was für eine langweilige mainstream Ansicht), und so tun, als sei alles auf IQ zu reduzieren…

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        • All dies heißt natürlich nicht, dass ich etwa für mehr Einwanderung von Wild-Fremden bin!
          Ich kritisiere lediglich bestimmte Ansichten (die – nebenbei bemerkt – in meiner Auffassung absolut gar nichts mit Einwanderungskritik oder ähnlichem zu tun haben)

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  4. Das wundert mich nicht, in den letzten 18 Monaten und weit davor ebenfalls – nur nicht so extrem, hat man jeden der eine andere Meinung hat als Rechtsextremisten bzw. Nazi abgestempelt. Passiert mir auch, aber ich lasse mich nicht einschüchtern.

    Ich kann in Ihren Beiträgen nichts rechtsextremes finden und auch Ihre Kommentatoren / Foristen machen mir nicht den Eindruck, als ginge es hier um rechtsextreme Themen oder dgl.

    So wird man eine gespaltene Gesellschaft nicht zusammen halten können, man erreicht das Gegenteil.
    Bei den deutschen Medien habe ich das Gefühl das man interressengeleitet, Partei journalistisch und manipulativ berichtet.

    Mein Vertrauen ist zerbrochen und ich orientiere mich immer öfter an die ausländische Presse.
    Traurig wenn man im eigenen Land, wieder das Gefühl hat in einer Art „Gesinnungsdemokratur“ zu sein !
    In solchen Momenten zeigt sich erst einmal, wie wichtig Blogger wie Sie sind.

    Ihnen allen eine angenehme Nachtruhe.

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